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Schuhfried Medizintechnik

Medizintechnik Wien

Elektrotherapien bei Polyneuropathie

Dr. Peter Biowski im Experteninterview – welche Maßnahmen der Physikalischen Medizin helfen bei polyneuropathischen Beschwerden?

Hochtontherapie ist eine wirkungsvolle und nebenwirkungsfreie Maßnahme für zu Hause
Die Elektrotherapie als Bereich der Physikalischen Medizin kennt mehrere Behandlungsmöglichkeiten für Polyneuropathie. Was unterscheidet diese bzw. was zeichnet sie aus?

Mehrere Behandlungsmöglichkeiten
4-Zellenbäder gibt es in etlichen physikalischen Institutionen, sie verbessern die Durchblutung und reduzieren die Symptome, das Handling ist allerdings relativ aufwendig. Gleichstrom regt die Durchblutung an und stimuliert die Nerven. Jegliche Gleichstrombehandlung ist verboten bei Metallen im Körper und Tätowierungen im durchströmten Bereich, jede Art der Elektrotherapie ist bei elektronischen Implantaten verboten bzw. nur unter streng eingeschränkten Voraussetzungen durchführbar. TENS und andere Reizströme wirken bei Neuropathie nur die Symptome überdeckend.

Besonderheiten der Hochtontherapie
Vorrangig empfehle ich zur Behandlung von Polyneuropathie die Hochtontherapie, sie setzt direkt am Nervenstoffwechsel an und verbessert die Trophik – den Ernährungszustand – der Nervenzelle. Sie erreicht auch die afferenten „lauschenden“ Nervenfasern und lässt sich mit Hochtontherapiegerät HiToP 191 einfach zu Hause anwenden.

Betroffene berichten, dass Missempfindungen und Schmerzen gelindert werden oder ganz verschwinden und auch die Gangsicherheit besser wird. Gibt es dafür wissenschaftliche Erklärungen und Belege?

Neuropathische Schmerzen – Taubheitsgefühle
Mehrere Studien bestätigen die hohe Erfolgsrate, die bei der diabetischen Polyneuropathie zwischen 70 und 85 % liegt. Vor kurzem konnte auch gezeigt werden, dass die Behandlung kleine Zellen in den Blutgefäßen zum Wiederaufbau anregt, der Fachausdruck dafür ist Endothelreparatur.

Sich selbst Strom anlegen, das wirkt auf den ersten Blick abschreckend – gibt es Nebenwirkungen?

Die Durchführung der Hochtontherapie ausgesprochen einfach, nebenwirkungsfrei – dieser speziell modulierte Wechselstrom ist metallkompatibel – und sehr angenehm. Eine häufige Nebenwirkung – (schmunzelt) – es könnte sein, dass Sie während der Behandlung einschlafen .…

So fühlt sich Hochtontherapie an
Bei der Anlage Fußsohlen/Waden, Fußsohlen/Lendenwirbelsäule oder der Handanlage drehen Sie die Stromintensität auf bis zu einem leichten Kribbelgefühl. Das ist angenehm und kommt in Wellen. Manche schlafen ein, andere erleben es als anregend und nutzen die Einheit, um während dessen aktiv Übungen zu machen, etwa dirigieren zur Musik, spreizen und ballen Finger oder Zehen. Oder sie schicken jeder Zehe oder jedem Finger für sich einen Gedankenimpuls, was sehr gut gegen Gefühle wie „das ist so wie eingeschnürt“ oder „dieser Klotz gehört nicht zu mir“ hilft.

Bei der Anlage an den Oberschenkeln wird aufgedreht bis zur Anspannung der Muskeln, dabei arbeiten die Oberschenkel ganz ordentlich. Vor kurzem hatte ich einen Anrufer, der hat gesagt: „Jetzt hab ich das Kastel drei Wochen und merke schon beim Skifahren, dass ich mehr Kraft habe.“ Das wäre also ebenfalls eine angenehme Nebenwirkung. Wobei – vielleicht gibt es da am Anfang einen Muskelkater, dann empfehle ich, die Intensität zu drosseln. Diese Anlage ist für Diabetiker besonders empfohlen, weil sie sich auch positiv auf die Zuckerbilanz auswirkt.

Hilft die Oberschenkelanlage auch, wenn ich Missempfindungen in den Zehen habe?

Weiterentwicklung und neue Anlageformen
Ja, so wurde der Einsatz der Hochtontherapie für neuropathische Schmerzen und Missempfindungen überhaupt entdeckt: Die Therapie wurde zur Muskelkräftigung eingesetzt und den Patienten – es waren Diabetiker – ist aufgefallen: „Auf einmal geht es mir mit der Neuropathie in den Füßen auch besser…“

Dann wurden – übrigens in Österreich beginnend, auf meine Anregung hin – die Anlagen Waden/Fußsohlen oder Oberarm/Handflächen mit der Intensität „bis zum Kribbeln“ zusätzlich eingesetzt. Mittlerweile haben wir herausgefunden, dass da auch krampflösende Prozesse ablaufen, die nun bei spastischen Kindern, Schlaganfall- oder Multiple Sklerosepatienten mit großem Erfolg eingesetzt werden.

Diabetes, Krämpfe, neuropathische Schmerzen, Taubheits- und Engegefühle – das ist eine sehr große Bandbreite für die Hochtontherapie!

Bei Chemo-bedingter Ursache unbekannt und diabetischer PNP

Ja, auch CIPN, also Chemotherapie induzierte Polyneuropathie ist ein häufiges Einsatzgebiet, wo es gute Chancen auf ein komplettes Verschwinden der Symptome gibt. Hochtontherapie wirkt unabhängig davon, was die Polyneuropathie ausgelöst hat, und da sie ursächlich auf den Nervenstoffwechsel einwirkt, reduziert sie die individuell ja sehr verschiedenen Symptome.

Haben Sie einen abschließenden Tipp für Polyneuropathie-Betroffene?

Effiziente Behandlung aus der Physikalischen Medizin

Aus Sicht des Facharztes für Physikalische Medizin tut es mir leid, dass viele Patienten einen langen Irrweg bis zur effektiven Behandlung ihrer Polyneuropathie gehen müssen. Die Hochtontherapie ist noch viel zu wenig bekannt. Auch den negativ-Symptomen lässt sich gut entgegen wirken – sie sind eine unterschätze Gefahr, weil sie verunsichern und auch diese Angst lähmt im wahrsten Sinn des Wortes! Wichtig ist, sich Zeit für die regelmäßige Durchführung dieser sehr effektiven Therapie zu nehmen, die tägliche Behandlungsdauer beträgt 1 Stunde, und Geduld.

Physikalische Medizin hat eine Vielzahl an Möglichkeiten und richtet sich ganz konkret nach den individuellen Einschränkungen und Fähigkeiten des Patienten: In einem frühen Stadium kann man dafür sorgen, dass die Muskelaktivität erhalten bleibt und in späteren Stadien wieder hervorgelockt wird. Elektrotherapie, Bewegung, auch Massagen – also jede Art der Stimulation spielen da eine wichtige Rolle. Auch Stoßwellentherapie zeigt Erfolge in der Polyneuropathiebehandung, da wird gerade viel geforscht. Fachärzte für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation arbeiten im Idealfall vom ersten Moment an mit Neurologen und Internisten zusammen. Das Ziel ist, zu dem für Sie persönlich am besten passenden und wirkungsvollsten Mix an Maßnahmen zu kommen!

Danke für das Gespräch!

Prim. Dr. Peter Biowski
Ist Facharzt für Physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation Wien

Das Gespräch wurde geführt für: „Polyneuropathie – wenn Nerven schmerzen“
Erschienen im Verlagshaus der Ärzte, Autoren Dr. med. Klaus-Dieter Kieslinger und Mag. Wolfgang Bauer

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